Hambacher Forst

Diktatur der Konzerne
Wie sich die Politik von RWE am Hambacher Forst vorführen lässt, stellt die Demokratie in Frage. Eine Warnung aus ostdeutscher Perspektive.
In was für einer Demokratie leben wir eigentlich? Warum kann und darf ein Unternehmen wie RWE die Handlungsfähigkeit und das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellen? Fragen wie diese drängen sich auf, wenn man das absurde Geschehen am Hambacher Forst beobachtet.
Der Energiekonzern RWE will einen 12.000 Jahre alten Wald abholzen, um Braunkohle abzubauen – also vollendete Tatsachen schaffen, obwohl eine von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission gerade über den baldigen, strukturierten Kohleausstieg berät. Viele Bürger – besonders Ostdeutsche – erkennen darin die offene Kriegserklärung eines Konzerns an das Regierungshandeln, und dieser Angriff kommt einem Paradigmenwechsel in unserer Demokratie gleich.
(…) Dass Polizei und Feuerwehr missbraucht werden, um auf Veranlassung der Bauministerin der Landesregierung Nordrhein-Westfalens, trotz anhängiger Gerichtsverfahren gerade jetzt die Naturschützer aus dem Forst zu zerren und ihre Baumhäuser zu zerstören, ist ungeheuerlich. Die nordrhein-westfälischen Politiker, von Ministerpräsident Laschet bis zu Innenminister Reul, wirken wie traurige Marionetten von RWE.
(…) Nach einer Umfrage von Zeit online vom 19. September lehnen 75 Prozent der Deutschen die Rodung des Hambacher Forstes ab. Das sind immerhin rund 60 Millionen Bürger. Welche Partei, welche Politik vertritt eigentlich deren Interessen in dieser demokratischen Republik?
Quelle: taz

Das Verbot wurde aufgehoben
Die Demonstration findet statt!
Wichtige aktuelle Informationen:
Demonstration für mehr Klimaschutz und gegen Braunkohle am Hambacher Wald findet statt
Berlin/Buir: Die Großdemonstration der Initiative Buirer für Buir, des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), von Campact, Greenpeace und NaturFreunde Deutschlands kann morgen wie geplant stattfinden. Das Verwaltungsgericht Aachen hob das Verbot der Demo auf. “Das ist heute die zweite schallende Ohrfeige für die NRW-Landesregierung und RWE”, so die Veranstalter. Die Demo mit Kundgebung am Hambacher Wald findet auf einer Wiese nördlich des S-Bahnhofs Buir statt.
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Wie geht es Aktivistin „Winter“?
Die Rede einer anonymen Aktivistin aus dem Hambacher Forst wurde millionenfach angeschaut. Jetzt sitzt sie in Untersuchungshaft. Ein Besuch.
KÖLN taz | Die junge Frau, die sie in der JVA Köln-Ossendorf nur UP22 nennen, sitzt im Besuchsraum des Gefängnisses. Es ist ein grauer, trostloser Ort: neun abgewetzte Holztische, daran neun Häftlinge mit Besuch. Das bedeutet Dauerlärm, mal hört man ein paar Wortfetzen aus dem Klangbrei, auch Stimmen von Kindern, die ihren inhaftierten Papa besuchen. Dreißig Minuten Zeit. Zwei ihrer Freundinnen hatten die taz mitgenommen zum Besuchstermin in der Untersuchungshaft.
Es ist, außer einem Anwaltsbesuch, nach mehr als einer Woche der erste Kontakt von draußen. Winter hat Tränen in den Augen, als wir an ihren Tisch kommen und will gar nicht mehr aufhören, die beiden Freundinnen zu drücken. „Wie schön, dass ihr da seid. So schön.“ Winter ist eine sehr zarte Person, sie wirkt fast zerbrechlich.
Außerhalb des Gefängnisses im Kölner Norden ist UP22 bekannt geworden als „Winter“. So nannte sie sich als Aktivistin, die im Hambacher Forst gegen die Abholzung des Waldes kämpfte. Winter lebte in der Baumhaussiedlung Norden zusammen mit ihrer Mitstreiterin „Jazzy“. Gemeinsam hatten sie sich angekettet und waren am 15. September, dem dritten Tag der Räumung, heruntergeholt und festgenommen worden…
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Was kann ich tun?
Der persönliche Kohleausstieg
RWE den Geldhahn abdrehen
Verdrängt Ökostrom RWE? Nutzen wir unseren Einfluss!
(2. Oktober 2018) Das Geschäft von RWE steht für Kohleverstromung und Atomkraft – für den desaströsen Kohletagebau im Rheinland, die Rodung des Hambacher Forstes wie auch den Betrieb der Atomkraftwerke (AKW) in Lingen und Gundremmingen. Wer dieses Geschäftsmodell nicht weiter mittragen will, kann handeln und mit dem Wechsel zu Ökostrom RWE den Geldhahn abdrehen.
Ich beziehe keinen Strom bei RWE, also kein Grund zu handeln? Diese Annahme ist leider oft ein Trugschluss. Denn RWE selbst hat alle seine Stromverträge mit Endkunden an seine Tochterfirma Innogy ausgelagert..
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…hier ein lesenswerter authentischer Erfahrungsbericht:

Liebe Freunde,
am Sonntag waren über 10.000 Menschen beim Waldspaziergang im Hambi 🙂
Und am WE sind eine sehr große Demo und diverse Aktionen geplant.
Gerne teile ich mit euch den Bericht eines Freundes, der gerade viel am
Hambacher Forst ist. Lest unten! Ich halte seinen Namen anonym.

Hallo meine Lieben,

ich schreibe Euch, weil ich Euch etwas erzählen möchte. Es geht um einen
sehr alten, sagenumwobenen Wald und die Menschen, die gerade für ihn
kämpfen. Die letzten zwei Wochen habe ich am Hambacher Forst verbracht
und die Eindrücke sind so vielfältig und besonders, dass es mir schwer
fällt, sie zu sortieren… Ich denke an die bunten Sonntagsspaziergänge,
mit vielen tausenden Menschen – jung und alt, laut und bunt. Ich denke
an die Menschen in ihren Baumhäusern, ihre Liebe zum Wald und seinen
Lebewesen. Ich denke an die Polizeigewalt. Traurig denke ich an Steffen,
der hier ums Leben gekommen ist. An die Musik, die uns begleitet. An
PolizistInnen, die uns erzählen, wie schlimm sie ihren Einsatz hier
finden. Ich denke an den Uhu, der uns nachts im Wald zum Schlafen gehen
uhuuut hat. An ein wunderschönes Camp, auf dem 300 Menschen zeigen, wie
gut Selbstorganisation funktionieren kann. An die hilfsbereiten
Feuerwehrleute. An das halb verlassene Manheim mit seinen
heruntergelassenen Fensterläden, das auch bald dem Tagebau weichen soll.
An warme Herbsttage und kalte Herbstnächte. An die eingeritzten Sterne
in der Feuertonne…

Aber vor allem denke ich an die Menschen. Ja, am liebsten denke ich an
die vielen, vielen Gesichter dieses Widerstands. Eines hat viele Falten
und gehört Willi, weit über 80 Jahre alt und lange Zeit Landwirt in der
Region, der im Sommer – wenn der Wind schlecht steht – täglich den
Feinstaub von seinem Gartentisch wischt. Ein anderes Antje, die sich
immer wieder so redegewandt und klug RWE in den Weg stellt. Ein drittes
Gesicht gehört Omar, der hier auf dem Hambicamp mit unvergleichlichem
Eifer Regale für die Küche zimmert. Ein nächstes gehört Nina, die im
Kleingartenverein – eine Baumhaussiedlung im Hambacher Forst –
BesucherInnen immer so herzlich in Empfang genommen hat. Ich könnte
lange so weitermachen.

Was mich beeindruckt: hinter jedem Gesicht
verbirgt sich ein anderes Leben, eine andere Geschichte und doch treffen
wir uns alle hier, am Hambacher Forst. Was uns eint? Klar, der Hambi –
der soll bleiben! Aber den meisten geht es um mehr. Uns geht es auch um
Braunkohle und den Klimawandel und, dass – so muss man es einfach sagen
– so viel gelabert wird und niemand, nicht die Politik oder die
Wirtschaft oder sonst irgendwer mit Macht mal Verantwortung übernimmt
und handelt. Was für eine Welt wollen diese Leute eigentlich für ihre
Kinder? Wie stellen die sich das vor? Uns geht es auch darum, dass
unsere Wirtschaftsweise Menschen in der so genannten dritten Welt
ausbeutet, ihnen kaum Chancen gibt und sie weitaus mehr unterm
Klimawandel zu leiden haben, als wir in den reichen Ländern. Und dass,
obwohl sie kaum dazu beigetragen haben. Ich finde das so himmelschreiend
ungerecht und einfach Scheiße, dass ich mich im Regen vor nen Baumhaus
setzen muss! Macht auch keinen Spaß, aber so kann ich wenigstens mal
zeigen, dass ich mich dem in den Weg stelle. Mit meinem Körper. Mich
müsst ihr schon wegtragen, wenn ihr das kaputt machen wollt. Und: wir
kommen wieder!

Was mich antreibt? Ja, ich bin wütend. Aber ich erfahre hier auch, dass
eine andere Gesellschaft möglich ist. Das gibt mir die Kraft, hier zu
sein. Wir haben was, wofür wir einstehen: unsere Gemeinschaft, unsere
Vision von einem guten Leben für alle und – ja – auch für die
wunderschönen Hainbuchen und die Haselmäuse. Hier im Rheinland erfahre
ich die unfassbare Solidarität der Menschen vor Ort: Wir können uns kaum
vor Essens- und Sachspenden retten. Das rührt mich immer wieder so sehr,
dass ich direkt losheulen könnte. Schaue ich weiter, sehe ich die ganzen
praktischen Alternativen für eine gerechte und nachhaltige Wirtschaft,
die es jetzt schon gibt: solidarische Landwirtschaftsprojekte,
Energiegenossenschaften, sozial-ökologische Banken, Handwerkskollektive
und viele, viele mehr. Sie zeigen, was jetzt schon möglich ist. Das
macht mir Mut und gibt mir Hoffnung. Denn unsere Welt ist nicht einfach
so wie sie ist, weil sie schon immer so war. Nein, sie ist, wie sie ist,
weil Menschen sich dazu entscheiden, sie so zu belassen. Und ja, wir
können sie ändern – im Kleinen und im Großen.

Was gerade am Hambacher Forst passiert, ist beides – klein und groß. Im
Kleinen ist es der Händedruck von Sylvia, die uns gerade 20 Kilo Kaffee
vorbei gebracht hat und uns „viel Power“ wünscht. Im Großen ist es eine
Chance für eine klimapolitische Veränderung, die von uns, von den
Menschen ausgeht. Und ich will Euch einladen, Teil davon zu sein! Kommt
vorbei und besucht uns auf dem Hambicamp. Macht hier einen Workshop mit,
bietet selber einen an oder guckt euch einfach um und unterhaltet euch
vielleicht mit Menschen aus dem Wald. Kommt auf einen
Sonntagsspaziergang mit dem tollen Michael Zobel. Oder zur großen Demo
am 6. Oktober. Macht euch selbst ein Bild von dem, was passiert und
schaut, wie sich es anfühlt. Ich kann euch versprechen: ihr werdet
Gesichter und Geschichten sammeln.

Ich für mich würde mich sehr freuen, Euch hier zu sehen.
Liebst,
Euer ***

PS: Mehr Infos zu Vielem unter
> https://hambacherforst.org/
> https://twitter.com/hashtag/HambacherForst?src=hash

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nachdenKEN über: Hambacher Forst:

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🙂 „Schon als Kind träumte ich davon, eines Tages uralte Wälder für Braunkohle abholzen zu lassen“ – ein Kommentar von RWE-Chef Rolf Martin Schmitz
Der Hambacher Forst spaltet derzeit Deutschland. Für die einen geht es um die Erhaltung der Natur, für die anderen um die Frage, ob Deutschland auch weiterhin ausreichend mit Energie versorgt sein wird.
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Gibt es „das Böse“ wirklich? Soziopathen – Psychopathen und Menschen ohne Empathie
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