„Verschwörungstheoretiker finden erstaunliche Verbreitung“… und die dümmlich-heile Welt der Info3 Redaktion

Info3 ( Heft Juli-August 18 ) hat wieder zugeschlagen und erklärt der Welt die korrekte politisch-anthroposophische Sicht unter der Überschrift: Verschwörungstheorien – Anthroposophen klären auf.

Quelle des 1. Info3-Artikels: hier weiter
Quelle des 2. Info3-Artikels: hier weiter

Info3 – das Bild „Der 3“: nix hören, nix sehen, nix denken 🙂 – s.Titelbild
Fazit des Pamphlets und ernst gemeinter Aufruf des Admins (Admin = Administrator) dieses Blogs:
Info3 – halte dich fern von politischen Themen… Nur Menschen, die sich noch nie mit Themen wie Gladio, dem Tiefen-Staat oder dem Update der Eliten beschäftigt haben, die auf rosaroten Wolken sitzen und naiv-senile
»Mutmaßungen über von Geheimdiensten inszenierte Terroranschläge« polemisieren, als habe es keine Geschichte der CIA im 20. Jahrhundert gegeben, keine Geschichte des Linkterrorismus und seiner Beziehungen zum KGB, keine Gladio-Geheimarmeen oder P2, keine Propaganda staatlicher und privater Institutionen zur Beeinflussung von Wählern oder Konsumenten )
können päpstlicher als der Papst solch kruden Schwachsinn in die Welt hinaus posaunen, wie folgt:

Kommen wir zum Thema:

Das Intro schreibt – so wie es sich gehört, der Chefredakteur von Info3, Jens Heisterkamp (leider nicht online einsehbar) – hier gekürzt:

Liebe Leser, die Idee entstand im Nachgang einer umstrittenen Veranstaltung im März dieses Jahres: Vier Verschwörungstheoretiker hatten da auf Einladung von Anthroposophen in Basel die Welt als ein von geheimen Mächten gesteuertes Marionettentheater erklärt. Vier Redner, (unter anderem Dr.Ganser, Ken Jebsen, H.Meyer Anm. vom Admin) für die Terroranschläge von Geheimdiensten organisiert werden, die Medien lügen und sowieso alles anders ist als es scheint… usw…

Hierauf, so meint Heisterkamp, musste energisch reagiert werden. Es fanden sich 7 aufrechte Autorengenossen, die nicht nur „die Verantwortung für die Seriosität der Anthroposophie verbunden sind, sondern die auch Sorge darum haben, dass das Gemisch aus Verschwörungstheorien und Populismus inzwischen zu einer ernsthaften Bedrohung unserer offenen Gesellschaft geworden ist“… usw…

Dann geht es auf Seite 11 im ähnlichen emotionalen Tonfall weiter – hier läßt ein Anders Rissmann warme Luft ab – etwa in dem Stile: „Vor einigen Wochen fand in Basel eine von Anthroposophen organisierte Tagung statt. Neben dem Initiator und Referenten Thomas Meyer waren gleich drei außergewöhnliche Gäste zugegen, die sich besonders auf Youtube und in diversen alternativen Medien wachsender Beliebtheit erfreuen…usw… und weist am Schluss auf die Gefahr für die Demokratie! hin.

Im Kontext des gesamten Artikels von Rissmann mit der Überschrift: Wer starb auf dem Breitscheidplatz? (leider noch nicht in Info3 online gestellt) bedeutet hier „außergewöhnlich“ und „diverse alternative Medien“ (vom Admin Kursiv gesetzt) natürlich nichts gutes –

Auf Seite 16 – unter dem markigen Titel: „Sieben Autoren gegen Verschwörungstheorien“ dann folgende Ergüsse:

Auszug 1:

Vergiftung des sozialen Klimas
Anthroposophen haben in den letzten 20 Jahren erfolgreiche Schritte getan, um aktiv an der offenen Gesellschaft mitzugestalten, in der wir leben: mit den vielfältigen Praxisfeldern, aber zunehmend auch mit den Beiträgen der Anthroposophie als Weltanschauung selbst. Bei allem Bedarf an weiteren Verbesserungen unserer Demokratie – zu denen ja nicht zuletzt anthroposophische Initiativen tatkräftig beitragen – teilen viele Anthroposophen ein grundlegendes Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit unserer offenen Gesellschaft durch zivilgesellschaftliches Engagement. Leider greifen manche Anthroposophen aber auch Vorstellungen einer von hintergründigen Strippenziehern geprägten Welt leichtfertig auf und beteiligen sich am Streuen von Gerüchten über einen gezielten „Bevölkerungsaustausch“ oder geheimdienstliche Attentate.
Solche Verschwörungstheorien vergiften das soziale Klima und bieten neo-autoritärem Populismus jeglicher Spielart einen Nährboden. Anthroposophische Plattformen wie das Online-Medium „Ein Nachrichtenblatt“ oder das Magazin „Der Europäer“ verbreiten (nicht selten verbunden mit neo-nationalistischen Einschlägen) Misstrauen anstelle differenzierter Kritik und schüren Manipulierungs-Ängste anstelle des Vertrauens in die rechtsstaatlichen Strukturen demokratischer Gesellschaften. Gerade wer einen tieferen Zugang zur Wirklichkeit sucht, darf auf solche Ablenkungsmanöver nicht hereinfallen.
Dr. Jens Heisterkamp, Zeitschrift Info3

Bemerkung vom Admin:
Hier wird ein dumpfes, unreflektiertes Vertrauen in die rechtsstaatlichen Strukturen gewünscht… Kritik oder andere Perspektiven sind nur störend – der Mainstream jubelt!

Auszug 2

Fanatismus
Menschen, die Verschwörungstheorien vertreten, stellen sich meist als Fanatiker dar. Man kann an einem Daniele Ganser zwar einiges Interessante finden, seine Erklärungsmuster spitzen sich aber derartig zu, dass immer nur dieser eine Punkt gesehen wird. Die Frage, ob Kennedy wirklich nur von einem Täter ermordet wurde, wird bis heute diskutiert.
Wenn man aber bei jeder solcher Fragen sofort die CIA verdächtigt, ist das ebenso einseitig wie amtliche Erklärungen einseitig sind. Für die Lösung eines Problems braucht es immer viele Sichtweisen – und genau das macht ein Fanatiker nicht, sondern beißt sich an einer immer gleichen Erklärung fest.
Ramon Brüll, Geschäftsführer Info3 Verlag

Bemerkung vom Admin:
Für Ramon Brüll sind Menschen mit eigenständigen und klaren Erkenntnissen, die nicht der glatt gebügelten und menschenverdummenden Alphapresse entsprechen, Fanatiker oder besser – ganz, ganz rechte Fanatiker. Dies will sagen, er hat sich wohl noch nie mit der Materie beschäftigt (oder nicht verstanden), über die er hier polemisiert. Dr. Ganser oder Ken Jebsen als Fanatiker zu titulieren – ist mehr als absurd.
Eher scheint dies für die Info3-Schreiberlinge zu passen, die selbst nach Skripal-Fake und Assad als Giftgasjunky nichts dazu gelernt haben.

und zum Abschluss noch Auszug 3:

Apokalyptisches Grundgruseln
Je jünger ein Kind ist, umso tiefer werden seine Beziehungen zur Welt von dem Vertrauen geprägt, das es in „seine“ Erwachsenen haben kann. Spätestens mit der Pubertät wird die Frage existenziell, wie sich auf diesem Fundament Vertrauen in das eigene Denken entwickeln kann. Welche Werkzeuge geben wir den jungen Menschen dafür in die Hand? Sie brauchen keine fertigen Weltbilder, sondern Menschen, die ihnen helfen, ihr Interesse, ja ihre Liebe zur äußeren Welt auf einer neuen Bewusstseinsstufe zu entdecken.
Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass es schon immer Verschwörungen gegeben hat und weiter geben wird. Verschwörungstheoretische Weltbilder aber wirken sich verheerend aus, weil sie die fatalistische Grundstimmung verbreiten: Ich bin das blinde Opfer von okkulten Strippenziehern, nichts ist, wie es scheint, aber wenn ich das erst einmal durchschaut habe, passt plötzlich alles wunderbar einfach zusammen. Das steht im krassen Widerspruch zur Waldorfpädagogik, deren Anspruch es ist, die jungen Menschen anzuleiten, aus eigenen Beobachtungen, Nachforschungen und Sachkenntnis unbefangen ihre Urteile zu bilden. Ein apokalyptisches Grundgruseln, das die Komplexität der Welt auf die Machenschaften verborgener Mächte reduziert, hilft niemandem, solide Grundkenntnisse über die Funktionssysteme unserer modernen Gesellschaft hingegen schon. Für den darauf gründenden Diskurs gibt es durchaus noch Nachholbedarf.
Henning Kullak-Ublick, Vorstand im Bund der Freien Waldorfschulen
Hinweis vom Admin: Henning Kullak-Ublick wurde berühmt-berüchtigt durch seinen „makaber-belehrenden Rundbrief“ an die Freien Waldorfschulen mit dem Hinweis, ja keine Verschwörungstheoretiker als Vortragsredner – wie z.B. Ken Jebsen oder Ganser – einzuladen.

Bemerkung vom Admin:
Niemand wird bestreiten, dass ein Kind mit den Gefühlen: die Welt ist gut, die Welt ist schön – aufwachsen sollte. Ein „apokalyptisches Grundgruseln“ aber wird erzeugt, wenn ein Mensch – sogar in der Position des Vorstandes der Freien Waldorfschulen – der Meinung ist, die Komplexität der Welt sei dem mit gesunden Menschenverstand begabten Erwachsenen mit den auf uns herniederprasselnden senilen Erklärungen der transatlantischen Medien zu erklären…

…und zum Abschluss noch das Fazit der Info3 aus dem 2.Info3-Artikel: Verschwörungstheorien: Die offene Anthroposophie und ihre Gegner:
„Anthroposophen haben in den zurückliegenden Jahren erfolgreiche Schritte getan, um aktiv an der offenen Gesellschaft mitzugestalten, in der wir leben: mit den vielfältigen Praxisfeldern, aber auch mit den Beiträgen der Anthroposophie als Weltanschauung selbst. Verschwörungstheorien vergiften das soziale Klima und bieten neo-autoritärem Populismus jeglicher Spielart einen Nährboden. Sie öffnen populistischen Positionen Tür und Tor und bedrohen die freiheitliche, offene Gesellschaft, in der zu leben wir als hohes Gut betrachten. Gerade wer einen tieferen Zugang zur Wirklichkeit sucht, darf auf solche Ablenkungsmanöver nicht hereinfallen.“

Bemerkung vom Admin:
Das Zitat: „Gerade wer einen tieferen Zugang zur Wirklichkeit sucht, darf auf solche Ablenkungsmanöver nicht hereinfallen“ – ist ja schon satireverdächtig. Eine „offene Gesellschaft“ verträgt nach obiger Sicht keine unbequemen Gedanken – oh sorry, gemeint sind natürlich Verschwörungstheorien.

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Wer Menschen als »Verschwörungstheoretiker« bezeichnet, die Sachverhalte kritisch hinterfragen und die offensichtlichen Schwerverbrechen von regierenden Politikern, Wirtschaftsbossen und Journalisten als “Verschwörungstheorie” abtut, ohne auch noch ein Argument vorzuweisen, der macht sich nicht nur der Mittäterschaft schuldig, sondern outet sich gleichzeitig auch als resistenter Realitätsverweigerer bzw. als Sympathisant oder Mitarbeiter des politischen Machtaperrates.
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Richtigstellungen – s. auch den Leserbrief unten, der es auf den Punkt bringt:

Hier Auszüge aus dem „Nachrichtenblatt“
(Quelle: 2018 Nr.17 Ein.Nachrichtenblatt_Kernpunkte Nr.3

Klarstellung zu „Die offene Anthroposophie und ihre Gegner“ 1
Acht in der Anthroposophischen Gesellschaft und im anthroposophisch orientierten Umfeld bekannte Persönlichkeiten haben in einem zwar jeweils individuell verfassten, aber formal und inhaltlich koordinierten Aufruf sog. „Gegner“ einer „Offenen Anthroposophie“ angegriffen, und dabei namentlich die Zeitschriften „Der Europäer“ und „Ein Nachrichtenblatt“ genannt.
Die Autoren verwenden hierbei einen neuen und für sich selbst beanspruchten Begriff einer „Offenen Anthroposophie“, und setzen ihn damit implizit in Gegensatz zur eigentlichen Anthroposophie, welche demnach als solche nicht (mehr) „offen“ sei. Eine Begründung für ihre Begriffsbildung geben die Autoren nicht.
Hingegen benennen die Autoren, gestützt auf ihre unbegründete Begriffsbildung, namentliche Gegner ihrer „Offenen Anthroposophie“, fragen allerdings diese „Gegner“ nicht, ob denn diese sich auch als „Gegner“ ihrer sog. „Offenen Anthroposophie“ sehen, was jedoch Voraussetzung wäre für eine begründete Benennung von „Gegnern“. Diese „Gegner“ wiederum hätten – wären sie gefragt gewesen – dazu, ob sie sich denn tatsächlich als „Gegner“ sehen, gar nicht Stellung nehmen können, denn dazu hätten sie wissen müssen, was denn „offene“ Anthroposophie überhaupt sei.
Dies aber ist ohne begründete Begriffsbildung – durch die acht Autoren – gar nicht möglich.
Damit wird klar, was die Autoren auf diese Weise verschleiern: Sie sind die eigentlichen Gegner der Adressaten ihres Aufrufes, also der Zeitschriften „Der Europäer“ und „Ein Nachrichtenblatt“, und greifen diese entsprechend an. Nur vertauschen sie mit ihrer unbegründeten Begriffsbildung und Benennung ihrer Gegner die Rollen, und lassen die Adressaten als „Gegner“ und also als Angreifer –, sich selbst aber als Opfer erscheinen.
Was von diesem raffinierten, vom herrschenden Zeitungeist inspirierten Manöver aus eigentlicher anthroposophischer Warte aus zu denken ist, braucht dem Leser dieser Zeilen nicht weiter ausgeführt zu werden. Es versteht sich von selbst, dass solche Methoden geeignet sind, ihre eigenen Inhalte als Phrase zu entlarven!
Es sei allerdings angefügt: Wir sind überrascht über die Niveau- und Substanzlosigkeit der “Erklärung“ der acht Autoren – und doch auch wieder nicht.

Für den „Europäer“: Thomas Meyer, Orsolya Györffy, Für „Ein Nachrichtenblatt“: Kirsten Juel, Béla Szoradi, Roland Tüscher

1 Die „Erklärung gegen Verschwörungstheorien, Die offene Anthroposophie und ihre Gegner“ ist am 25. Juni 2018 in Info-3 erschienen: https://www.info3-magazin.de/die-offene-anthroposophie-und-ihre-gegner/ ebenfalls in „Anthroposophie weltweit“ am 6. Juli 2018. Die Verfasser: Dr. Jens Heisterkamp und Ramon Brüll Zeitschrift ‹Info3›; →

Gegner welcher «Anthroposophie»? Ein offenes Wort vom Chefredaktor des Europäer
Jüngst verbreiteten mehrere Anthro-Medien einen von 8 Autoren zusammengestellten Artikel, der eine kollektive Willens-Erklärung darstellt: «Die offene Anthroposophie und ihre Gegner».
Die Autoren ziehen darin wie Krieger gegen das Gift von «Verschwörungstheorien» zu Feld. Außer Schlagworten und Unterstellungen haben sie nichts Substantielles zu bieten. Der Chefredakteur von Info-3, Jens Heisterkamp, geht sogar soweit, konkret zwei Konkurrenten zu seinem Frankfurter Blatt als Gegner seiner Offenen Anthroposophie zu brandmarken: das von Roland Tüscher und Kirsten Juel herausgegebene Nachrichtenblatt und den Europäer. Dem Letzteren werden auch «neo-nationalistische» Einschläge unterstellt.
Da wir nun – auch von der Redaktion der Dornacher Wochenschrift für «Anthroposophie» – ganz offen als Gegner der «offenen» Anthroposophie angeprangert werden, wollen wir die Gelegenheit nicht versäumen, offen mitzuteilen, dass wir dies für ein – allerdings ungewolltes – Kompliment betrachten. Ich will mich kurz erklären: Die «offene Anthroposophie» erheischt seit ihrer Frankfurter Geburt vor vielen Jahren diktatorisch Offenheit für fast alles, was uns der «Zeitgeist» – ja, welcher? – um die Ohren weht. Namen wie Ken Wilber, Andrew Cohen oder InfoBannerträger wie Felix Hau und Sebastian Gronbach mögen genügen, um die Offenheit dieser Anthroposophie zu bezeichnen. Wer aber in einer geistigen Bewegung alle Fenster aufreißt, erzeugt ganz einfach spirituellen Durchzug. Mit einer solchen Durchzugs-Anthroposophie wollen wir in der Tat nichts zu tun haben. Sie kann nur zu geistigen Erkältungszuständen mit gleichzeitigen oder anschließenden Fieberzuständen führen. Wir sind stolz darauf, Gegner einer solchen «Anthroposophie» zu sein. Wir lieben zwar Frankfurter Würste. Aber die in der Goethestadt (!) zubereitete und über die Zwischenstation Dornach auf einen weltweiten Export zielende DurchzugsAnthroposophie erachten wir – auf dem Hintergrund wahrer Anthroposophie – einfach als einen Etikettenschwindel mit schönen, hochtrabenden, zumeist ganz leeren Worthülsen.
Offen genug?
Wem dies alles übertrieben erscheint oder gar ungerechtfertigt, der lese die beste Selbst-Darstellung, die Info-3 je geliefert hat. Das Blatt und sein Umkreis sieht seine Auf
gabe darin, der Menschheit eine «Anthroposophie» zu vermitteln, die nachvollziehbar und zeitgemäß sei, was derjenigen von Rudolf Steiner schlicht abgesprochen wird. Unter der Überschrift «Einfach mal durchlüften» erschien in der Juni-Nummer eine Vorschau auf einen bis jetzt nicht erschienenen Artikel mit Sentenzen von Mathias Wais: Man lese und staune: «Rudolf Steiner hat uns überfordert. Das kolossale seiner Ausführungen ist weithin nicht nachvollziehbar. Also sind wir zu eigenen zeitgemäßen Wegen aufgerufen. Mathias Wais mit Gedanken zur Anthroposophie zwischen gestern und morgen.» Erst wird posaunt, dass die Anthroposophie objektiv kaum nachvollziehbar und zeitgemäß sei, dann wirft man sich zu deren berufenem Reformator auf, damit sie endlich das werde, was sie für Menschen, die einen gewissen Denkwillen aufbringen wollen, schon immer war: nachvollziehbar und zeitgemäß. Wir wollen gerne glauben, dass manche Leute beim Studium der Anthroposophie überfordert sind… Doch das gibt ihnen keine Befugnis, ihr subjektives NichtVerstehen zur allgemeinen Norm zu erheben.
Schließlich: einer der glorreichen Acht, Henning KullakUblick, Vorstand des Bundes der Freien Waldorfschulen, spricht in seiner Erklärung von der verschwörerischen Tendenz, dem irrationalen Grundsatz zu huldigen «Nichts ist, wie es scheint». Kullak-Ublick hat vor Jahren bekanntlich dafür gesorgt, dass Menschen wie der ehemalige Waldorfschüler Ken Jebsen von Oberstufenvorträgen an Waldorfschulen prinzipiell fernzuhalten seien. Nun erschien in diesem Jahr ein Buch des Tübinger Akademikers Michael Butter, das zur Bibel der Glorreichen Acht und aller von ihnen Beindruckten werden könnte: «Nichts ist, wie es scheint – Über Verschwörungstheorien. Darin findet sich eine «Fallstudie» prägnanter Art: Daniele Ganser, ebenfalls einst Waldorfschüler und Freund und Kollege von Ken Jebsen, der auch am 3. März 2018 in Basel aufgetreten war, wird als typischer Verschwörungstheoretiker hingestellt. Man fragt sich woher der Ganser-Furor kommt. Wird er etwa beneidet, weil kein Geringerer als Noam Chomsky sein NATO-Buch gelobt hat?
Ja, nichts ist, wie es scheint. Dieses Wort muss auch auf die Willens-Erklärung der Glorreichen Acht angewendet werden. Sie scheinen sich Sorge um die Anthroposophie zu machen – und haben ihre Gegner. Wirklich?
Nein, nicht einmal uns. Wir haben, genau genommen, keine Gegner, auch nicht diese Menschen. Wir kümmern uns einfach nicht um sie. Wir respektieren ihre Freiheit, die Anthroposophie nicht nachvollziehbar, unzeitgemäß und reformationsbedürftig zu finden und widmen uns weiterhin dem Bemühen, sie immer besser zu verstehen und zu verwirklichen.
Thomas Meyer, im Namen der Europäer-Redaktion

Leserbrief:

Cui bono? Wem nützt es:
Anmerkungen zur Erklärung gegen Verschwörungstheorien »Die offene Anthroposophie und ihre Gegner«
Sophie von Freiberg, Südtirol
Was soll man mit diesem Hirtenbrief einiger Bischöfe an die anthroposophischen Gemeinden anfangen, die sich im Namen der Aufklärung und Rudolf Steiners anmaßen, anderen vorzuschreiben, was sie denken und wie sie sich verhalten sollen? Sie ermahnen das «anthroposophische Umfeld« (was soll das sein?), Abstand von »kruden Ideologien« zu nehmen, d.h. nicht den sich immer mehr ausbreitenden Irrlehren zu verfallen, sondern am wahren Glauben festzuhalten – nämlich der Aufklärung bzw. der Anthroposophie, die sie naiverweise gleichsetzen, als hätte es nie eine Dialektik der Aufklärung gegeben und als wäre Steiner nicht über letztere hinausgeschritten. Einen ganzen Katalog solcher seelenverderbender Häresien stellen sie an den Anfang ihres Mahnschreibens, das aufgebaut ist, wie einst Glaubensbekenntnisse, die all die Irrtümer aufzuzählen pflegten, welchen abschwören musste, wer sich der Gemeinde der Auserwählten zurechnen wollte, die im Weltbild der Autoren die Hüterin des Lichtes der »geistigen Souveränität und Freiheit« ist. Zu all den »kruden Theorien«, die sie aufzählen, gehören auch »Mutmaßungen über von Geheimdiensten inszenierte Terroranschläge«, als habe es keine Geschichte der CIA im 20. Jahrhundert gegeben, keine Geschichte des Linkterrorismus und seiner Beziehungen zum KGB, keine Gladio-Geheimarmeen oder P2, keine Propaganda staatlicher und privater Institutionen zur Beeinflussung von Wählern oder Konsumenten. Für die anthroposophischen Seelenhirten scheinen die Wikileaks ebensowenig zu existieren, wie die Manipulationsversuche amerikanischer Wähler bei facebook oder der weltweit organisierte Terror islamistischer Bruderschaften. In ihrer heilen Welt der »Aufklärung« gibt es keine geheimen Zirkel, keine Verschwörungen, keine klandestinen Netzwerke und BlackOps, sondern nur die »Offenheit« einer Popperschen Phantasiegesellschaft. Von den Häresien, die sie brandmarken, wird behauptet, sie seien auf das Böse »fixiert«, mit der »aufklärerischen Anthroposophie« unvereinbar und »missbrauchten« deren Erkenntnisweg. Die Autoren spalten die Welt in Gut und Böse und verdammen alle, die sich ihnen nicht anschließen, als »autoritätsgläubig« und »antiaufklärerisch«. Sogar der aus der Geschichte des Antisemitismus hinreichend bekannte Vorwurf der Brunnen»vergiftung« darf nicht fehlen.

Wie Wölfe im Schafspelz schleichen sich die »Antiaufklärer« durch die Herde der ihnen anvertrauten Schafe und locken sie, indem sie Bruchstücke aus der wahren Lehre herausreißen, um sie zu »vereinnahmen« und zu verfälschen. Wie gute Verschwörungstheoretiker phantasieren die Seelenhirten eine Verschwörung von Verschwörungstheoretikern herbei, die »Fatalismus« verbreiten und angeblich »verheerend« auf ihre Gemeinden einwirken. Sie verderben das »unbefangene Urteil« der Jugend, erzeugen mit ihren Wahngeschichten ein »apokalyptisches Grundgruseln« (was für eine Wortschöpfung, die einige der heiligsten Texte der Weltgeschichte diffamiert) und verführen die Gutgläubigen, indem sie eine »Stimmung der Empörung« erzeugen. Was anderes kann aus dieser »Verheerung« und »Vergiftung« anderes hervorgehen, als Zerstörung? Die Zerstörung der »freiheitlich-offenen« Gesellschaft, auf die wir alle so stolz sind, auch in Zeiten der Totalüberwachung, des gläsernen Bürgers, der DSGVO, der Uploadfilter, der Fälschung von Statistiken und der Orwellschen Wahrheitsministerien! Als »Ablenkungsmanöver« werden die inkriminierten Theorien bezeichnet, die vom »tieferen Zugang zur Wirklichkeit« (was soll das sein?) wegführen, zu dem aber offenbar nichts gehört, was durch die Oberfläche der medialen Repräsentation unserer Alltagswirklichkeit hindurch zu den ihr zugrunde liegenden Macht- und Interessenstrukturen vordringt. Was, wenn nicht ein »Ablenkungsmanöver« ist dieser Text selbst? Ein Manöver, das den kritischen Geist, der nach Aufklärung sucht, diffamieren und selbständige Urteilsbildung verhindern soll, indem er eine »Stimmung« der Angst vor der Abweichung erzeugt? Was soll auf die hier stattfindende Stigmatisierung kritischer Geister folgen? Soziale Ausgrenzung, rechtliche Verfolgung? Anathemata sind die Wegbereiter der Scheiterhaufen, Richtlinien des Denkens die abschüssige Bahn, die zum Totalitarismus führt.

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